Welche Wurmkur ist jetzt sinnvoll?
Die strategische Entwurmung von Pferden ist heute kein pauschaler Routineakt mehr, sondern eine fundierte, individuelle Entscheidung, die Erfahrung, Diagnostik und Feingefühl erfordert.
Ziel ist es, den Parasitenbefall gezielt zu kontrollieren, die Darmgesundheit zu schützen, und gleichzeitig Resistenzen gegen Wurmmittel zu vermeiden.
Ich unterstütze Sie dabei mit einer modernen, ganzheitlichen Entwurmungsstrategie, die auf Ihr Pferd, Ihre Haltung und die jeweilige Jahreszeit abgestimmt ist.
🧪 Kotproben – wichtig, aber nicht immer eindeutig
Die regelmäßige Untersuchung von Kotproben ist ein wertvolles Instrument zur Einschätzung des aktuellen Wurmbefalls – insbesondere durch kleine Strongyliden (Cyathostominae), Spulwürmer oder seltener Bandwürmer.
Ich biete regelmäßig Sammelkotaktionen mit individueller Auswertung in Zusammenarbeit mit dem Labor für Veterinärmedizin der Universität Leipzig an.
Allerdings ist wichtig zu wissen:
- Kotproben erfassen nur Wurmarten, die zum Zeitpunkt der Probenahme aktiv Eier ausscheiden.
- Eingekapselte (larvale) Stadien, wie bei Cyathostomen, sind in der Kotprobe nicht sichtbar.
- Besonders bei Fohlen und Jungpferden kann eine „negative Probe“ täuschen – hier braucht es klinische Erfahrung und tierärztliches Einschätzungsvermögen.
Daher ist eine fundierte Entscheidung über eine Wurmkur nicht allein auf Grundlage des Kotbefunds zu treffen.
🧬 Larvale Cyathostominose – unterschätzte Gefahr aus dem Darm
Die kleinen Strongyliden (Cyathostominae) sind die häufigsten Parasiten beim Pferd.
Ihre Larven durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien – und können sich dabei in der Darmwand des Pferdes einkapseln (Hypobiose), wo sie über Wochen oder Monate ruhen.
Dieses larvale Stadium ist besonders tückisch:
Wenn sich viele dieser eingekapselten Larven plötzlich gleichzeitig aktivieren – z. B. durch Witterungswechsel, Stress oder unsachgemäße Entwurmung – entsteht eine larvale Cyathostominose, eine massive Entzündungsreaktion im Dickdarm.
Warum ist das so gefährlich?
- Die freigesetzten Larven schädigen die Schleimhaut großflächig
- Es kommt zu entzündlichen Veränderungen, Blutungen und Proteinverlusten
- Die Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht, die Verdauung bricht zusammen
- In schweren Fällen kann es zu einer toxischen Reaktion mit Kreislaufschwäche oder sogar Tod kommen
Symptome der larvalen Cyathostominose:
- Plötzlicher, meist schwerer Durchfall
- Apathie, Inappetenz, Fieber
- Kolikähnliche Schmerzen, unklarer Verlauf
- Gewichtsverlust trotz Futteraufnahme
- Im Blutbild: Entzündungszeichen, Hypoproteinämie, evtl. Anämie
- In schlimmen Fällen: kritischer Allgemeinzustand, Kliniküberweisung notwendig
Und das Heimtückische:
👉 In fast allen Fällen ist die Kotprobe unauffällig, da keine Eier ausgeschieden werden.
👉 Die Diagnose beruht auf klinischer Einschätzung, Blutwerten und Ausschluss anderer Ursachen.
Wann ist besondere Vorsicht geboten?
- Bei Pferden, die lange nicht entwurmt wurden
- Nach unspezifischer Entwurmung ohne Voruntersuchung
- Im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr (Reaktivierung der Larven)
- Bei Tieren in gestressten oder instabilen Haltungsbedingungen
Therapie? Ja, aber mit Umsicht.
Die gezielte Behandlung mit larviziden Wirkstoffen wie Moxidectin kann helfen – aber nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt und unter tierärztlicher Begleitung erfolgt. In schweren Fällen ist eine zusätzliche Gabe von Entzündungshemmern oder eine Kliniküberweisung notwendig.
🐣 Fohlen und Jungpferde – besondere Parasitenrisiken
Fohlen sind besonders empfindlich für Spulwürmer (Parascaris equorum), die zu schweren Schäden führen können:
- Atemwegssymptome (Husten)
- Koliken, Verdauungsstörungen
- Entwicklungsverzögerung, Abmagerung
- Bei starkem Befall sogar Darmverschlüsse
Die Entwurmung von Fohlen beginnt idealerweise ab der 8. Lebenswoche, zunächst mit speziellen Wirkstoffen gegen Spulwürmer – später ergänzt durch Kontrolle gegen Strongyliden.
❗ Wichtig:
Auch hier gilt – eine Kotprobe kann negativ sein, obwohl ein gefährlicher Spulwurmbefall vorliegt.
Ich empfehle deshalb einen individuell abgestimmten Fohlenentwurmungsplan – kombiniert mit Kotproben und klinischer Verlaufskontrolle.
🪰 Magendasselprophylaxe – nicht vergessen
Im Spätherbst, nach dem ersten Frost, steht die gezielte Behandlung gegen Magendassellarven (Gasterophilus spp.) an.
Diese Parasiten legen im Sommer Eier am Fell ab, die beim Lecken aufgenommen werden. Die Larven entwickeln sich im Magen und können dort Entzündungen, Reizungen oder Magengeschwüre verursachen.
Die Behandlung erfolgt gezielt mit Ivermectin – erst nach dem ersten Frost, wenn die Larven sicher im Pferd sind.
